2. Tag -
27.08.2005
Aufwachen im Morgengrauen: Nebel! Das bedeutet wohl die
Talfahrt nach dem Frühstück. Doch eine halbe
Stunde später klart es auf: Über uns leichte
Cirruswolken, in den Tälern verschwinden die dichten
Regenwolken. Nach kurzer Beratung entscheiden wir uns gegen
06:40 Uhr zum Start.
Eine kurze Strecke über die
Gipfelterasse, dann entlang eines Stahlseils über
Steigklammern nochmals zum Zugspitzgipfel, dem
logischen Beginn des Jubiläumsgrates. Entlang der
vorhandenen Steigspuren geht es in ständigem Auf
und Ab entlang des Grates: Mal ein breiter, gut
gangbarer Rücken, mal eine zum balancieren
einladende Gratschneide geht es Richtung Innerer
Höllentalspitze (2741 m). Es öffnet sich ein
schöner Tiefblick ins Höllental mit seinem
kleinen Gletscher sowie auf in das sich zum
Zugspitzplatt weitende Reintal. Nach etwa 90 Minuten
die erste Rast auf der Inneren Höllentalspitze.
Das Wetter war mittlerweile perfekt: Sonnig aber nicht
zu warm.
Weiter geht es in ständigem Wechsel zwischen
Wanderpfad, Klettersteig und Kletterstellen bis zum Grad 2+
(UIAA). Im Bereich der Mittleren Höllentalspitze wird
der Weg durch viele kleine Kletterstellen an
Grattürmen unterbrochen. Gegen 10:30 Uhr wird die
kleine Biwakschachtel kurz vor der Äuβeren
Höllentalspitze (2721 m) erreicht. Schon oft wurde
diese Notunterkunft zur Rettung bei einem plötzlichen
Wetterumschwung.
25
Minuten später ging es weiter in Richtung Alpspitze:
Über mehrere teilweise drahtseilversicherte
Steilabbrüche und Rinnen etwas südlich des Grates
erreicht man die Scharte vor der Vollkarspitze (2618 m).
Dies ist die Schlüsselstelle des Weges: Vor wenigen
Jahren brach die ganze Nordwestseite der Vollkarspitze
mitsamt der Drahtseilsicherungen ins Höllental ab.
Einige Jahre war dieses Stück nur in reiner
Felskletterei (ca. 3+ UIAA) zu überwinden.
Mittlerweile ist eine neue Drahtseilversicherung
eingerichtet. Trotzdem ist dieser Aufschwung immer noch
eine sehr kraftraubende Kletterei. Ebenfalls steil geht es
nach der Vollkarspitze wieder in eine Gratsenke hinab. Hier
wird der zum Hochblassen (2703 m) führende Grat
verlassen. Unter den Nordflanken des Hochblassen geht es
über schutteriges Schrofengelände zur
Grieskarscharte (2463 m).
Mittlerweile ist es warm geworden und die nebelige Luft
im Bereich der Alpspitze macht den Aufstieg über den
gesicherten SW-Grat der Alpspitze zu einer Schweiss
treibenden Angelegenheit. Gegen 14:00 Uhr wird nach etwa
7,5 Stunden die Alpspitze und damit das Ende des
Jubiläumsgrates erreicht. Ziemlich erschöpft ist
die nun folgende halbstündige Pause sehr willkommen.
Mittlerweile ist das Wetter wieder schlechter geworden.
Die Zugspitze, der Ausgangspunkt der
Überschreitung, ist nur noch selten zwischen den
Wolken auszumachen.
Wir entschlieβen uns zum schnellen Abstieg
über die Alpspitz-Ferrata. Der mir bisher nur im
Aufstieg bekannte Klettersteig wird jetzt zügig im
Abstieg begangen, so daβ wir uns 45 Minuten
später eine erste Radlerhalbe an der Seilbahnstation
am Osterfelderkopf gönnen.
Mit der nächsten Seilbahn geht es runter ins Tal.
Ein Stück mit der Zugspitzbahn bis Grainau.
Während wir uns hier einen verdienten Apfelstrudel
gönnen, bricht das nächste groβe Gewitter an
der Zugspitze und über dem Jubiläumsgrat los. In
diesem August 2005 gibt es wirklich an fast jedem Tag
Regen. Nach einer kurzen Busfahrt erreichen wir wieder das
Auto am Parkplatz in Eibsee. Die weitere Heimfahrt
verläuft ereignislos.
(ca. 900 HM↑, ca. 1500 HM↓)
Siehe auch: Eine versuchte Winterbegehung des
Jubiläumsgrates.
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