8. Tag - 07.07.2007
Gran Paradiso (4063 m), Abstieg
und Heimfahrt
Entgegen des von vielen italienischen Hütten
gewohnten spartanischen Frühstücks, beginnt hier
der Tag mit Müsli, Orangensaft, Marmeladenbrot und
Kaffee. Ein vielversprechender Auftakt für unseren
Aufstieg!?
Um 05:30 Uhr haben wir alles zusammen gepackt und
beginnen im Schein der Stirnlampen den Aufstieg zum Gran
Paradiso. Etwa 20 Minuten folgen wir dem sanft
ansteigenden Pfad, danach folgt ein etwa 250 Höhenmeter dauernder steiler Aufstieg
über die Moräne am rechten Rand des Glacier de
Laveciäu. In etwa 3200 m Höhe haben sich
schon einige Gruppen beim Übergang auf den Gletscher
versammelt, um Seilschaften zu bilden. Da wir die Sitzgurte
schon an der Hütte angelegt hatten, bleibt uns nur
noch das Anlegen von Seil und Steigeisen. Wir betreten den
Gletscher, die Steigeisen knirschen trocken auf dem gut
überfirnten Untergrund. Gleich zu Beginn wird durch
eine Spaltenzone nach Süden gequert. Kurz darauf
treffen wir auf die von Westen kommende Hauptaufstiegsspur. Dieser folgen
wir in gleichmäβigem Tempo. Zu ein paar vor uns
gehenden Seilschaften schlieβen wir - mittlerweile
gutakklimatisiert - auf. Bei Sonnenaufgang leuchtet im
Westen der Mont Blanc. Über einige steile
Gletscherhänge wird in Serpentinen der östlich
des Gipfels liegende Sattel erreicht, wo wir auf die vom
Rifugio Vitorio Emanuele (2734 m) kommende
Normalroute treffen. Bis jetzt durch den sogenannten
"Eselsrücken" im Süden geschützt,
stehen wir ab jetzt in einem eisigen Wind. Weiter geht es
zu dem deutlich sichtbaren - am Rand der
Südabbrüche stehenden - Felszacken Becco del
Moncorvé. Nun wenden wir uns über sich
aufsteilende Firnflanken nach Norden. Nach dem
Überqueren des unschwierigen Bergschrundes
erreichen wir den Blockgrat, über den wir
teilweise ausgesetzt aber immer unschwierig den
sogenannten Madonnengipfel um 08:30 Uhr
erreichen.
In der kalten, klaren Luft haben wir eine wirklich gute
Fernsicht: In der Poebene ist das Häusermeer von Turin
ebenso mit bloβem Auge zu erkennen, wie die vielen
Gipfel des Alpenhauptkammes im Westen
(Mont-Blanc-Gruppe) und Norden (Walliser
Alpen).
Etwa 10 Minuten Minuten bleiben uns am eigentlichen
Gipfel. Insbesondere vom Rifugio Vitorio Emanuele
kommen Dutzende von Seilschaften hier hoch, die alle zur
Madonna wollen. Manchen sind auch die letzten Meter zu
ausgesetzt und verzichten deshalb auf den Rundblick von der
Madonna.
Der Abstieg: Wir verlassen den Gipfelkamm und steigen
über die Spur schnell in Richtung Rifugio Vitorio
Emanuele ab. In etwa 3850 m Höhe sind wir aus dem
kalten Wind heraus und legen eine Frühstückspause
ein. Verwundert beobachten wir die Vielzahl der die
Normalroute empor steigenden Gruppen. Auf dieser Route
sollen zwar Gletscherspalten wirklich selten sein. Die
teilweise ohne Steigeisen und unangeseilt aufsteigenden
"Wandergruppen", scheinen sich der Risiken aber nicht
wirklich bewusst zu sein.
Bis zum Ende des Gletschers steigen wir ab, dann
verstauen wir die Gletscherausrüstung und gehen
über die blockige Moräne weiter. Ein
nächtlicher Aufstieg hier ist zwar eine einfachere,
aber sicher die unangenehmere Variante, im Vergleich zu
unserem Aufstieg von der Rifugio Chabod. Gegen 10:30
Uhr erreichen wir das Rifugio Vitorio Emanuele, das
in seiner Tonnenform ein bisschen an die
Stüdlhütte am Groβglockner
erinnert. Mit einer Dose Bier feiern wir die Besteigung des
Gran Paradiso, dann geht es an den Abstieg ins
Valsavarenche. Ein gut ausgebauter Wanderweg
führt gemütlich in Serpentinen ins Tal, wo wir
gegen Mittag eintreffen.
Wir beschlieβen die Bergwoche bei einem Essen mit
Spezialitäten aus dem Valsavarenche. Dann
beginnt die Heimfahrt. Über den Groβen Sankt
Bernhardt fahren wir zurück nach Martigny
im Wallis, wo dann noch ein paar Schweizer
Spezialitäten eingekauft werden.
Nach der Verabschiedung von Alexander fahren Heiko und
ich über den Genfer See - Zürich - Bregenz -
München nach Hause, wo wir um Mitternacht eintreffen.
(1350 HM↑, 2050 HM↓)
|